Was nun nach einem Jahr reisen?

Ankommen: Wir
Wir.

Die einzige Deadline, die wir haben, ist unsere Auslandskrankenversicherung. Diese haben wir für ein Jahr abgeschlossen und galt bis Anfang Dezember.

Da stellt sich also die Frage, wie weiter?

Fangen wir mal so an: Vor einem Jahr waren wir auf dem Weg nach Griechenland, griechische Weihnacht wollten wir feiern. Und? Wir bekamen es. 24.12.18: Meint hat Sonnenbrand und war im Meer baden.

Knapp ein Jahr später sitzen wir im Bus durch Schweden und fragen uns, wie soll das denn dieses Jahr aussehen?

Eins ist uns beiden sehr schnell klar. Noch einen Winter fulltime im Bus ist uns zu blöd. Der beengte Raum, die Natur ist im Winterschlaf, generelle Nebensaison überall, wo kein Skigebiet ist. Der Bus wird durch das Kondenswasser feucht und bei allem Heizen und Lüften, ist es kaum möglich, die Feuchtigkeit loszuwerden. 

Na dann, ab nach Spanien, Portugal, Marokko. Ja, das wäre eine Möglichkeit. Nur: Uns reizt es derzeit überhaupt nicht in noch westeuropäischer Gefilde zu reisen, bis man in Marokko eine andere Welt wieder kennenlernt. Einige Reisende haben wir kennengelernt, die den Winter entweder wie wir in Griechenland verbringen wollen oder eben Spanien, Portugal und Marokko ansteuern. In alle anderen Gebiete wird früher oder später der Winter Einzug halten. Griechenland hatten wir schon, 12°C und Regen war das Resultat und wir freuten uns auf Bulgarien mit Minusgraden aber Sonne.

Was uns reizt, ist Russland und die vielen angrenzenden Länder, aber Winterzeit ist sicherlich nicht die beste Reisezeit, um im Auto zu leben. 

Das heißt, für uns wird es nicht nach Spanien und weiter, aber eben auch nicht nach Russland und weiter gehen.

Nun haben wir Freiheit geschnuppert, was gibts noch?

Was gibts noch? Oh, sehr viel. Über die Reisezeit haben sich bei uns viele Ideen angestaut, die auf die Verwirklichung warten, und warum dies nicht mal in die Wege leiten?

Ankommen: Bus unter Sternenhimmel
Wir unter Sternenhimmel

Die Reisezeit bringt viel Freiraum für Gedanken und Kreativität mit sich, doch die meisten Ideen lassen sich besser umsetzen, wenn wir an einem Ort sind. Das ist die eine Sache.

Die andere ist: Wir wollten nie aus dem „normalen“ Leben aussteigen, auch wenn wir mit dem vanlife vielleicht für andere als Aussteiger gelten. Wir mögen unsere Berufe und langsam, ja, ganz langsam kann man sagen, dass sie uns mit ihren Aufgaben, Anforderungen und Ergebnissen auch fehlen. 

Meine Mitarbeit in Ungarn an einem Holzhaus zeigte mir sehr deutlich, wie gern ich das mache, mein Beruf gut zu mir passt und wie viel es noch zu lernen und zu entdecken gibt. Die Erfahrungen beim Busausbau und Leben im Bus sind Dinge, die ich mitbringen werde, Verbesserungen möglich machen und sicher ergibt es sich, auch angehenden Reisenden bei solchen Vorhaben zur Seite zu stehen. Wenn Du darauf Lust hast, schreib mir!

Die Freiheit des einmal geschafften Losmachen gibt uns die Klarheit, wie privilegiert wir JA zu den Verhältnissen, in denen wir leben, sagen dürfen oder sie eben ändern können. Es geht nicht mehr um das Eingesperrt sein im Job, sondern um die Frage, wodurch kann ich mein Berufsleben dahin prägen, wie ich es mir wünsche. Denn unser große Vorteil ist, wir werden nicht gezwungen, dürfen selbst entscheiden. Irgendwie war vor der Reise in mir Frust, dass mich das Arbeitsleben davon fern hält, mich dorthin zu entwickeln, was mich interessiert, sondern einen Job auszuführen, der mit der Erfüllung der Aufgaben einem anderen bei seiner Unternehmung hilft. Nun sehe ich die Verantwortung bei mir, zu artikulieren und mir darüber klar zu sein, was ich will, denn kann ich das nicht sagen, werde ich natürlich in die Aufgaben anderer mit eingespannt und habe das Gefühl für mich nicht weiter zu kommen. 

Was eben selten im Beruf möglich ist, ist „Zeit zu haben“. Oft hört man, dafür habe ich keine Zeit; ne du, ich muss los, bin knapp dran. Mal sehen, wie lange es dauert, dass uns das wieder einholt und wir das sagen, aber im Moment wissen und spüren wir genau, Zeit, dass ist das Einzige, was wir wirklich haben. Wenn ich mich also mit meinem Beruf einen Großteil der Tageszeit ausfülle, müssen darin Tätigkeiten und sinnstiftende Aktionen enthalten sein, sodass nicht erst nach der Arbeit stattfinden muss.

Wir freuen uns.

Wir
Wir 2.0

Mit so ein paar läppischen Erkenntnissen und dem Wissen darum, dass das Entdecken und Neues kennenlernen nicht nur im Bus in fremden Ländern möglich ist, freuen wir uns sehr, zurückzukommen. Wir freuen uns, wieder teilzuhaben. Wir freuen uns, wieder zu arbeiten. Wir freuen uns auf eine Wohnung mit etwas mehr als zwei Quadratmetern. Wir freuen uns auf warmes Wasser, Strom. Wir freuen uns, wieder Freundschaften aufleben zu lassen.

Ankommen: Häuslichkeit
Häuslichkeit

Wir haben minimalistisch ein Jahr Reise erlebt, haben 1,5 Liter Waschmittel und gerade mal eine Dreiviertel Flasche Spülmittel verbraucht. In einem Jahr. Wir wissen also, es geht mit viel weniger. Für mehr sind wir dankbar, müssen aber nicht alles in Anspruch nehmen, denn nicht alles an Mehr ist notwendig.

Wir freuen uns also auf Euch. Meldet Euch. Wir freuen uns, nun in der Weihnachtszeit wieder zu Hause zu sein, anzukommen und Weihnachten mit Familie zu verbringen. 

Bis dahin: Euch eine wunderschöne Adventszeit.


Und wir haben die Gewissheit, wenn es wieder nötig ist, steigen wir ein und fahren wieder los. 

New
Auf ins Neue
Los, eingestiegen, abgefahren. aber HALT. Teil es bitte noch

Leave a comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.