Nun ist ein Jahr, sind 365 Tage vorüber. Knapp 30 000km durch Osteuropa, von südlichstem Griechenland bis nördlichstes Norwegen. Wir müssen vanlife Klarstellen: realisticvanlife.


Schauen wir in unsere Bilder und Tagebücher, bekommen wir mit, wie viel wir erleben durften. Wahnsinn. 

Ein Jahr, zu zweit: Rückblick auf ein Jahr Busleben – #realisticvanlife

Im November 18 sind wir gestartet, hatten den Bus flott gemacht, unsere Wohnung geräumt und alles verpackt. Die wichtigsten Dinge mit uns im Bus, fuhren wir erst einmal über das Erzgebirge nach Tschechien, dann Österreich, kamen durch Slowenien, entflohen dem Winter in Kroatien. Dann ging es immer südlicher, mit Abendteuer in Montenegro, Albanien und Griechenland. Wir standen zusammen gruselige Nächte, Streit und Niedergeschlagenheit durch, trauten uns, auf Einheimische zuzugehen, fanden immer wieder einen Weg, der uns ans nächste Ziel bringt. Lottes Wunsch, Weihnachten in Griechenland zu feiern, ging in Erfüllung. Wir hatte unsere eigene Bucht mit Strand, konnten schwimmen, ja, ich hatte sogar Sonnenbrand am 24.12.18. Kaum vorzustellen. Silvester verbrachten wir hoch über der Stadt Kalamata, nachdem in der Stadt selbst alles geschlossen hatte und wir nur in einem Imbiss unser ersehntes Festessen genießen konnten. Dafür war es da oben fantastisch.

Doch zunehmend zeigte sich, dass es in Griechenland im Winter nicht so kalt wir in Deutschland ist, aber vor allem eins: regnerisch. 12 °C und Regen. Für uns mittlerweile das Grauen für das Leben im Bus. Mit der wachsenden Gewissheit, vor dem Regen zu fliehen, ging es vom südlichsten Punkt recht rasant – für unsere Verhältnisse – nach Norden. Ein Tag Athen heilte uns vom Großstadtfieber und wir suchten die Berge am Olymp. Nach heftigen Schneefällen und mehrmaligem Anlegen der Schneeketten, hieß es für uns aber, umzudrehen und am Meer weiter nach Bulgarien zu fahren. Dort fanden wir, was wir suchten: Heiße Quellen, Sonnenschein und Frost. Herrlichstes Winterwetter. Lang hielt es uns trotzdem nicht in diesem Land. Aus heutiger Sicht schade und gewiss ein Reiseziel in der Zukunft. Rumänien empfing uns mit noch mehr Schnee, die zwei Wochen getrennt reisen taten Lotte und mir gut, wiederum das Wiedersehen war dann doch das Schönste. Gemeinsam erkundeten wir weite Teile Siebenbürgens, mieteten uns das erste mal in einer Unterkunft ein und genossen die vier Wände und Kamin.

Das gehört zum realisticvanlife: Einheimische kennenlernen – nur wie und wo?

Immer sehnlicher wurde der Wunsch, endlich einmal neue Menschen kennenzulernen. Immer waren wir abseits der Saison unterwegs, das meiste geschlossen, hinzu kam, dass wir selten lang an einem Ort waren. Wir probierten WOOFing aus, fielen beim ersten Versuch auf die Nase und wurden bei der Zweiten Möglichkeit belohnt, blieben einen Monat. In Ungarn konnten wir Verwandte besuchen und knüpften wieder Kontakt, ein Radlager wurde getauscht und weiter ging es nach Budapest und durch Nordungarn in die Slowakei. Hier war schon wieder Winter. Wir trafen auf Schnee und Kälte in der Hohen Tatra. Da mussten wir wieder unbedingt weg und konnten Richtung Ukraine noch viel Sonne tanken. Die Ukraine überraschte uns tagtäglich mit winkenden Menschen, unberührter Natur in den Waldkarpaten oder einfach durch den Straßenzustand. Naja, und mich persönlich mit einem Stoppschild und der Verhandlung mit der Polizei, wie ihr ja wisst…Zwischen Sowjetzeit, Bauernstaat und europäischer Metropole (Lviv) verbrachten wir eine echt eindrückliche Zeit und hatten das Gefühl, noch Unentdecktes erkunden zu können. Polen wiederum zeigte sich von der vielfältigen Seite, ob Berge oder Flachland, Seen oder Meer, Dörfern oder Städten, alles kannst du hier finden und vor allem, Polen ist so groß. Wir genossen die Zeit in der Grenzregion Polen/ Slowakei, feierten Lottes Geburtstag und lernten viele Seiten von Krakau kennen. Eigentlich wollte Lotte allein in Krakau sein, aber das ging nur ein, zwei Tage, dann mieteten wir uns gemeinsam eine Unterkunft und ich kam nach. Ein Spontankauf brachte uns zwei schöne Fahrräder ein. Nur einen Radträger hatten wir nicht, der lag zuhause. Eine Woche teilten wir den knappen Platz im Bus also noch mit Fahrrädern, fanden dann aber die Lösung auf einer polnischen Anzeigen-website. Nachdem wir in Masuren paddeln waren, Jaap einige Tage mit uns verbrachte und seinen Geburtstag mit uns feierte, versuchten wir eine Achsmanschette wechseln zu lassen, was leider schief ging und wir dann doch selbst wieder unterm Bus lagen und es reparierten. Litauen querten wir von Süd nach Ost und West, radelten entlang der Kurischen Nehrung und genossen den Sommer mit unseren erst kennengelernten Reisefreunden. Unsere Wege kreuzten sich immer wieder und oft waren Markus und Ramona nur wenige Tage zuvor in einer Stadt, die wir besichtigen wollte und konnten uns Tipps geben. Einen schönen Abend verbrachten wir mit anderen Reisenden am Fluss Gauja, lernten in den nächsten Tagen Hundefreunde aus der Schweiz kennen, die sich am Morgen stritten, wer das Autolicht nicht ausgeschaltet hatte und nun verantwortlich ist, dass die Batterie leer ist. Alles ging gut aus, aber die Szene von einem nach dem tauben Hund schreienden Herrchen wird mir nicht so schnell verloren gehen.

Unsere Route führte weiter am östlichen Rand Estlands in den Norden, entlang am Peipus-See zum finnischen Meerbusen. Wir lernten Senioren aus der Schweiz kennen, Bernu und Paul mit ihren Frauen Katrin. Paul, der im Rollstuhl sitzend mir half, über Stunden den Fehler für unseren Defekt der Fahrradträgerlichter zu finden und wir dabei von Mückenheerscharen befallen wurden. Später saßen wir noch mit Toblerone zusammen und erzählten ein bisschen. Für uns ging es dann nach Tallinn weiter, noch eine Stadt mehr. Langsam verschwommen die europäischen Städte in der Erinnerung. Trotzdem schön, sie gesehen zu haben und der Abschied mit Markus und Ramona aus Estland war auch legendär. Verkatert kamen wir in Finnland an, erkundeten erst die Südküste, querten dann nach Savonlinna im Osten und hangelten uns immer weiter nördlich. Finnland war für uns durch die Einsamkeit, die Weite und Naturbelassenheit sehr schön. 

Freunde finden auf Reise

Das Nordkap und die Mitternachtssonne, mit ihrem tiefgelben Licht, ermöglichten uns Nachtwanderungen, verschoben unseren Tagesrhythmus und bildeten irgendwie einen besonderen Punkt der Reise: ab jetzt südlich.

So schlängelten wir uns über Hammerfest und die E6 hinunter und hatten wochenlang Sonne. Es war aber auch mal Zeit für etwas Neues: Felix besuchte uns, wir wanderten eine Woche auf dem Kungsleden und erkundeten dann die Lofoten. Zwei Wochen zu dritt waren körperlich anstrengend, lustig und absolut gesellig. Für uns war das auch einfach mal schön, noch jemanden dabei zu haben.

Dann trafen wir Olli, Dan und Marian und hatten Tage mit Lagerfeuer, Angeln und Spaß, wie im Bilderbuch. 

Weiter ging es nach Stavanger, um Sofa und Chrissi zu treffen. Auf dem Weg trafen wir noch Amadeus und Tobi in ihrem Rallye-Subaru. Jasmin mit ihrem Freund Marvin waren mit einem Mercedes A und Dachzelt auf erster Tour, aber nur mäßig angetan. Es entsponn sich ein lustiger Abend mit allerlei Erlebnissen, bayrischen Bier, zu sechst bei Regen im Bus. 

Durch den angenehmen Abend, blieben Amadeus und Tobi gleich bei uns und wir fanden für uns alle einen wunderbaren Platz am Strand bei Stavanger. So konnten wir das Wiedersehen mit Sofa und Chrissi am Feuer genießen.

Kjerag Bolten und Trolltunga sind sehr bekannte Ausflugsziele in Norwegen und zieren eine Menge Ansichtskarten. Wir entschieden uns auf das Kjerag Felsplateau zu wandern. Im Wechsel von Nebel, Regen und dann Sonne konnten wir oben doch noch den Ausblick genießen. Das obligatorische Foto auf dem eingekeilten Felsbrocken gönnte sich nur Chrissi (und hunderte andere auch).

Die Reisezeit der beiden war leider nur arg begrenzt und so mussten sie, kaum hatten wir zusammen ein bisschen Zeit verbracht, auch schon wieder abreisen.

Wieder einmal Abschied nehmen und weiter nach Bergen. An der Uni konnten wir mit Wlan – Empfang übernachten (eine Seltenheit). Bald gesellten sich noch zwei T3 Reisende und ein paar Stunden später noch Karla mit ihrem Hund Marley – auch im T3 – dazu. So standen wir zwei Tage mit drei VW-Bussen, erkundeten die Stadt und konnten Internet suchten.

Endlich sollte es dann aber auch mit einem Treffen mit den Dresdner Freunden Kati und Johannes geben, also raus aus Bergen, rein in das Hinterland. Mit ihnen genossen wir die Sonne, paddelten im Schwimmreifen auf norwegischen Bächen und erkundeten die Hardangervidda. Wunderschön und landschaftlich einmalig.

Die Zeit auf der Apfelfarm kennt ihr schon. Harte körperliche Arbeit tat uns mal wieder gut, wir kamen mit Einheimischen in Kontakt und wurden ein Teil der Familie, sodass aus zwei Wochen geplant, vier Wochen ungeplanten Aufenthalts wurden. Das lohnte sich aber absolut, denn, je länger man da ist, desto besser weiß man, wie man wo helfen kann, bekommt verantwortungsvollere Aufgaben usw. Konkret hieß es für mich: ich darf mehrere Traktoren fahren.

Ende September klopfte dann schon leicht der Winter an die Bustür. Kältere Nächte und immer wieder Regen, erinnerten uns an den Aufbruch und nach vier besagten Wochen, waren dann auch fast alle Äpfel gepflückt und wir reisten weiter über Røros nach Schweden. Hier war das Fjäll Räven Outlet ein Ziel, das uns durch den goldenen schwedischen Herbst fahren ließ. Das ging so auch im Höga Kusten Nationalpark weiter und wir fuhren damit immer südlicher.

Wir mieteten uns wieder einmal im schwedischen Hinterland in eine wunderschöne Hütte ein und konnten so einmal wieder die Annehmlichkeiten der Häuslichkeit genießen: warmes Wasser, Backofen, Kamin, Internet. Warum ich das mit dem Internet immer so betone? Tja, über die Reisezeit versuchte ich, angefangen vom ersten Blog losmachen, immer weiter zu kommen, aber oft fehlte es an der Datenverbindung. 

Die Westküste von Schweden ist einzigartig, wurde uns gesagt, und warum es nicht selbst mal sehen? Also dort hin und ja, sie sieht schön aus. Das Skagerrak schlägt an die kahlen, rundgelutschten Steine. Die Koster-Inseln sind in einer so schon tollen Landschaft noch einmal etwas herausstechendes. Eine kleine Fähre bringt uns hin und wir erwandern Nord- und Südinsel.

Stockholm, Göteborg und Kopenhagen gefallen uns sehr gut, müssen aber noch einmal extra in einen Artikel. Da kommt bestimmt noch etwas. Doch Großstädte sind mit der Zeit auch wieder nervig und meist ist für uns der Punkt nach zwei bis drei Tagen erreicht.

Dänemark lernen wir auch noch einmal neu kennen. Verschrieen als flaches Land bevor es ins interessante Norwegen oder Schweden geht, so kennen wir aus deutscher Sicht die Beschreibung von Dänemark. Wir besuchen kleine Dörfer, ewig lange Sandstrände und Watt. 

Und was nun?

Für uns stellte sich die Frage, wollen wir noch einen Winter im Bus verbringen und die Freiheit genießen? Freiheit ja, aber noch einen Winter? Nein. 

Wir haben die Freiheit verinnerlicht, haben es einfach gemacht, dem Motto gefolgt: Los! Machen! Wir sind dankbar und freuen uns über die vielen Eindrücke und dennoch, wir freuen uns wieder anzukommen, ja, zu arbeiten. Wir hatten die Freiheit, losgelöst von Finanzzwängen zu träumen und jeden Tag so zu gestalten, dass es der Tag wird, wie wir ihn wollen oder zumindest es versuchen und spontan sein. Wunderbar. Diese Erfahrung von Freiheit und Fülle von Möglichkeiten will ich mit nach Hause nehmen und es ist gut, nicht mehr Angst vor Ungewissheit oder was wird wenn zu haben, sondern es einfach auszuprobieren. 

Vanlife – Alles positiv? #realisticvanlife

Und wieder tappe ich im Nachhinein in die Falle, die Erinnerungen zu schönen und vor allem, wenn es um die Außenwirkung geht, Negatives wenig zu betonen, Positives zu unterstreichen. Muss ja gar nicht sein. Ehrlich soll es sein.

Denn heute weiß ich, dass es ohne die ausweglosen Situationen, wo wir nicht wussten, ob wir zusammenbleiben oder uns trennen, das Aushalten von Trauer und Ferne, wiederkehrende Tiefpunkte, Überforderung, wahrscheinlich nicht diese spontan, glücklichen Sonnenscheinmomente gegeben hätte. 

Ich fühle mich heute verpflichtet, durch diesen Positivsog von Instagram, das Thema vanlife, Camping immer wieder mal realistisch zu beschreiben: realisticvanlife. Das Leben im Bus ist nicht nur Zucker. Toll ist es, alles dabei zu haben, mit dem Zuhause zu reisen, entscheiden zu können, wo man am nächsten Tag sein möchte, immer draußen zu sein, dort zu übernachten, wo es schön ist. Das weiß schon jeder und es treibt einen ja auch an, es zu versuchen und selbst zu erleben. Nun sind wir aber so gereist, dass einem langen Herbst, ein kurzer Winter folgte, diesem wiederum ewiger Frühling, kurzer Sommer und wieder ein langer Herbst. Das bringt mit sich, dass es im Bus oft feucht ist, unverpackte Dinge anfangen zu schimmeln und trotz täglichen Lüftens, es nie richtig trocken wird. Das nervt kolossal. Wir hatten Glück, dass unser Bus so zuverlässig ist, wäre dem nicht so, kann dies einem sicher zur Last werden. Er befreite uns aus festgefahrenen Situationen, physisch und psychisch, gab uns Obdach in Großstädten wie auch mitten im Wald, in Winterstürmen oder Platzregen. In der Sonne am Strand mit dem Bus, kann jeder. 

Minimalismus beim #realisticvanlife

Wir haben das Jahr minimalistisch verbracht. Was heißt das? Konkret: 1l Waschmittel verbraucht, 3/4l Geschirrspülmittel, 1 Scheibenwischersatz, 20l Frischwasser im Kanister immer wiederbefüllt … Wir wollten das so. Es schränkt ein, macht aber auch den Reichtum zu Hause richtig spürbar und, dass man verschwenderisch wird, sobald man es einfach so da hat ohne Anstrengung. Wie oft ertappe ich mich, dass ich an fließend Wasser, bevor ich mit dem Zähneputzen richtig fertig bin, schon das Wasser anstelle. Einfach so. Weil ich es kann und die Auswirkungen nicht sofort sehe, spüre. Bei Wasser war es uns über ein Jahr sehr vor Augen. 20 Liter für alles. Sie können einfach aufgefüllt werden, zumindest meistens, aber wir mussten eben etwas dafür tun.

Noch so viel mehr

Es gibt noch so viel mehr zu erzählen, vielleicht merkt ihr das. Es sprudelt aus mir heraus. Auch in Zukunft werde ich weiter unsere Erfahrungen aufschreiben und ihr könnt teilhaben. Wie war es zum Beispiel auf einem einsamen Autofriedhof, als wir uns in einem Privatgelände auf einmal wiederfanden und der Bus feststeckte, unsere Erlebnisse auf der Aularfjellstraße, wie wir Nordlichter sahen, wie versucht wurde, uns Nachts die Fahrräder zu klauen…

Los, eingestiegen, abgefahren. aber HALT. Teil es bitte noch
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im Oldtimer durch Europa -  Rückblick und #realisticvanlife
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Ein Jahr, 365 Tage, 30 000km durch Osteuropa, von südlichstem Griechenland bis nördlichstes Norwegen. Wir müssen vanlife Klarstellen: realisticvanlife.
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