Transalbania II – Offroad mit dem VW T3

Wunderschöne Landschaft Albaniens

Für uns geht die Reise weiter vorbei an Tirana, nach Berat. In Lushnja kaufen wir ein. Mittweile ist uns klar, die Albaner fahren volle Kraft voraus. Oft alte Mercedes, die die Straßen verkraften. Die Landschaft ist Wahnsinn. Mal Ebene am Horizont hohe Berge oder endlose Hügellandschaften mit terrassierten Hängen. Unten Flüsse, oben wieder hohe Berge mit Schnee. Wir fühlen uns richtig auf Reise, es könnte auch sonst wo sein, nur eben nicht so nah an Deutschland. Vielleicht Asien.

Das Ossumtal mit dem Van

Das Ossumtal fahren wir hoch und sind verblüfft. So, so schön. Es begegnen uns Felsformationen, wie im Elbsandsteingebirge. Zumindest erinnert es mich daran. Der Ossum hat sich hier tief eingearbeitet ins Gestein. Es ist eine touristisch aufstrebende Region. Eine Aussichtsplattform wurde mit amerikanischer Unterstützung zur Erschließung des Tourismus erbaut. Es sind diese Welten, die hier so aufeinanderprallen: Der alte Mercedes, schwarze Limousinen (vielleicht Mafia, die Insassen mit Goldzähnen und Sonnenbrille erinnern an „Schwarze Katze, weißer Kater“), Edelstahl-glänzende Aussichtsplattformen und zerfahrene Straßen. Immer wieder begegnen uns LKW mit riesigen Steinblöcken beladen. Jeweils einen schafft so ein LKW. Wie schwer das sein muss. Nebenbei schont dieser Verkehr nicht die Fahrbahn, es geht auf und ab, wir üben uns im Straßen-Lesen. Wir finden einen herrlichen Standplatz und hatten einen eindrucksvollen Tag. Dieser wird beschlossen, mit einem Bild, das uns im Gedächtnis bleiben wird. Die untergehende Sonne bescheint die Schneegipfel, „Alpenglühen“, der Schnee wird rosa und unten fließt der Ossum durch die schöne Gesteinsformation. Ein leckeres Frühstück, ihr seht immer wieder Fotos von der wichtigsten Mahlzeit am Tag, mit Kaffee. Wir genießen ein Bad im kalten klaren Bach und waschen Haare bis zum Hirnfrost. Lotte zeigt, dass Frauen, das stärkere Geschlecht sind. Lange Haare hier zu waschen ist schlimm. Mir reichen meine kurzen.

Reparatur Rücklichtschalter – wenn es hinten nicht mehr hell wird

Es ist auch Zeit, dem Nachzugehen, was am Auto nicht mehr funktioniert: Die Rückfahrlichter. Wir forschen, wie kommt es dazu, dass überhaupt das Licht erleuchtet, wo kann der Fehler liegen. Ich mache es kurz: Es gibt einen Schalter am Getriebe, den musste ich erst einmal kennen und dann finden. Der sagt beim Einlegen des Rückwärtsgangs: Licht an! Der erste teil der Transalbania hatte hier entweder den Stecker abgezogen oder es war Wasser an den Kontakt gekommen. Wir haben nun wieder Licht beim Rückwärtsfahren. Merkt man erst, wenn man es braucht, wie wichtig das ist.

Transalbania Teil zwei

Straßen enden, sind unfahrbar

Transalbania Teil zwei kam prompt. Merke: Eine top-asphaltierte, neue Straße führt in Albanien nicht zwangsläufig weiter. Wir sind wahrscheinlich zuhause von Absperrschildern usw. „verwöhnt“. Wir fuhren weiter das Ossum-tal aufwärts, in der Hoffnung, mit der Straße SH74 wieder auf große, zur Grenze führende Straßen zu gelangen. Wir mussten erst einmal den Abzweig suchen, ein Abzweig führte einen schlammigen Berg mit klappriger Holzbrücke davor hoch, eine perfekte Straße endete am Berg.

Nach dem Weg fragen – die verhängnisvolle Skizze


-Wegbeschreibung vom Tankwart-

Also fragten wir an einer Tankstelle, bekamen einen Wegeplan skizziert. Klappte gut. Es ging auf eine so neue Straße, das glaubt man kaum. Gleich erfahren wir, warum. Die Landschaft war herrlich, wieder Berge, ganz viel zu schauen, staunen. Es wird kurz eng, ein mit Feuerholz bepackter Esel blockiert die Fahrbahn. Wir kommen an eine Ampel, es wird grün, wie üblich, steht noch mal jemand, der nach Bedarf den Verkehr regelt. Kurz darauf passieren wir die Teermaschine und werden freundlich aufgefordert, weiterzufahren. Über den gerade asphaltierten, heißen Bereich. Wir sehen im Rückspiegel, wie wir schöne Spuren hinterlassen. An dieser stelle hätten wir uns fragen sollen, wenn die Teermaschine hier ist und wir auf Teer herkamen… Naja. Man kann es sich denken. In einem Dorf wieder Baustelle, der Feldweg wird aufgerissen. Als sich der Linienbus und mit uns 3 Autos angestaut haben, sagt uns ein Bauarbeiter auf deutsch, dass wir in 20min weiterfahren können, die Baugrube wird für uns zugeschüttet. Die Zeit haben wir. Es belustigt uns.

Albanian Road Rage

Auf dem Hinweg hatte ein Opel Corsa Fahrer den Linienbus sehr knapp überholt, der Bus musste zur Seite ausweichen. Bei dieser Zwangspause durch das Loch, wird es geklärt. Der Busfahrer geht zum Opel, klopft an die Scheibe, er reagiert nicht gleich. Ich denke, er weiß, dass das nicht die feine Englische war. Macht dann aber doch auf. Der Busfahrer erklärt sich, ärgerlich, gibt ihm einen Klaps auf den Hinterkopf, dann sind sie wieder Freunde, lachen gemeinsam. Eine dieser kleinen Geschichten, die man nebenbei erlebt.

Bulli durchs Gelände – 2WD und der Bus an der Grenze

Das Loch ist zu. Wir dürfen weiter. Das Loch ist zu, allerdings haben sie aus irgendeinem Grund riesige Hügel aufgeschüttet. Der Opel ist vor uns dran. Die ersten beiden gehen gut, der letzte ist schon 30cm hoch. Opel bleibt hängen. Er erledigt das mit Schwung. Kracht bisschen. Wir haben ein hohes Auto, aber es ist knapp. Also gut, Teermaschine ist hier erst in einem halben Jahr, frühestens, wir mussten Hügel überfahren und stehen nun dahinter. Hier kann man noch mal fragen, wirklich weiter? Es ist diese Hoffnung, dass es besser wird. Wir fahren. Geht erst mal ohne Probleme. Kleinere Unebenheiten. Dann eine Pfütze, so tief, dass wir aufsitzen. Ganz leicht, aber der Schreck ist ordentlich. An dieser Stelle wäre noch mal innehalten möglich gewesen. Aber wir sind so naiv.

Unser Offroad- Unglück birgt dann doch auch Glück, es wird extrem

Der Weg bringt uns allerdings in ein herrliches Tal. Wunderschön, kein Mensch, nur Wiese, ein klarer Bach. Wunderbar. An einem schlammigen Berg schaffen wir es erst mit dem dritten Anlauf. Auch hier haben wir nicht gewendet.

Es wurde krass. Es geht bergauf, ziemlich steil, erst steinig, dann schlammig, dann kommen 10 Spitzkehren. Große Steine bilden die Fahrbahn. Manche so hoch, dass man aufsitzen würde. Jeden Zentimeter anschauen, den besten Weg finden. Der Bus fährt nur noch im ersten Gang, wird heiß von dieser Offroad-fahrerei bergauf. Die Spitzkehren müssen wir mit Schwung nehmen, da immer die Räder drohen durchzudrehen. Eine Kurve schaffen wir nicht, der Bus geht aus. Wieder an, müssen wir in der Kurve am Berg im Schlamm anfahren. Vorsichtig, dass nix durchdreht, wir trotzdem hochkommen, uns die Reifen nicht an den Steinen ruinieren. Ein platter Reifen hier… Keine Ahnung, das letzte Dorf ist eine Stunde her. Wir schaffen es, es wird immer extremer.

Offroad den richtigen Weg finden

Viele Wege für verschiedene Vehikel gehen ab. Einer für Geländerwagen über den blanken Fels, nach rechts abfallend. Machen wir sicher nicht. Ein anderer in die falsche Richtung. Es bleibt uns nur der, den ich mal Militär-LKW zuordnen würde. So stark ausgefahren, dass wir wieder versetzt fahren müssen, immer in Sorgen auf den nun spitzen Steinen gleich ein Zischen zu hören oder aufzusitzen. Wir sind extrem angespannt, denn wo sind wir hier hingeraten? Es wird sicher besser. Lotte gibt ihr Bestes an der Navigation, aber irgendwann ist auch da nicht mehr klar, wo wir sind, welcher Weg der unsrige ist und wo es einen Ausweg aus dieser Offroaderei gibt.

Zivilisation, aber die ADAC Karte stimmt nicht

Nach zwei Stunden kommen wir in ein Dorf, Paraspuar. Geschafft haben wir ca. 14km. Hier in Paraspuar, geht die SH74 entlang. Unsere Straße. Vor dem Dorf müssen wir trotzdem fragen, wo wir entlang müssen. Ich versuche mich mit Bauarbeitern, die eine Mauer bauen, mit Händen und Füßen, dann mit dem Atlas (1:750 000) zu verständigen. Mit der Karte können sie nix anfangen. Ich sage unseren Grenzort, die Worte Grenze in allen Sprachen, die ich kenne, mache es wie bei Activity alles noch mal vor. Sie fangen an Orte aufzuzählen, dann eine Pause und eine zweite Gruppe von Orten aufzuzählen. Gemäß: „Na, willst du nach Hof, Regensburg, München oder willst du nach Leipzig, Halle, Magdeburg. Mir sind die Namen alle böhmische Dörfer. Nix geht. Ich danke und gehe zu Lotte zurück ins Auto. Fahren weiter.

Lieber mit dem Pferd weiter als mit dem VW Bus

Das GPS sagt an einer Kreuzung, dass wir aktuell auf der SH74 stehen. Es ist ein Feldweg mäßiger Güte. Einfach ein Feldweg. An dieser Stelle mal einen besonderen Dank an den ADAC Autoatlas 19/20. Die Straße SH74 gibt es nur als teilgepflasterten Feldweg, den man unter 30cm Bodenfreiheit nicht befahren kann. Nur so. Am Rande.

Schwierige Entscheidung: Zurück geht nicht, links ungewiss, rechts falsche Richtung

Wir fahren noch mal einen Kilometer in unsere Richtung, es wird dunkel. Sehen, dass es nicht besser wird. Fahren zurück, 2 km, halbe Stunde. Es dämmert. Wir können nicht mehr, sind froh es bis hierher geschafft zu haben, aber wie weiter. Die Route zur gewünschten Straße ist noch knappe 50km lang. Wohl auf diesen Straßen. Oder schlechter. Wir stellen uns an eine Kreuzung und beratschlagen. Weiter und hoffen? Zurück den wahnsinnigen Weg? Die SH74 in die andere Richtung, nämlich nach Berat, in die Stadt, wo wir vorgestern waren, großer Umweg.

Ressourcen werden knapp

Wir machen gleich Inventur: Tank noch viertel voll, Trinkwasser nur noch 3l, wieder 8h oder mehr hinter dem Steuer . Nach einem Spaziergang entscheiden wir uns, hier zu bleiben, es wird eh dunkel und morgen den Weg nach Berat zu nehmen. Knapp 27km. Macht bei der Reisegeschwindigkeit und keinen Schwierigkeiten sicher drei Stunden Fahrzeit. Erkunden bei dem Spaziergang gleich mal den Weg, sieht ok aus. Wir sind glücklich, kein Platter, kein Unfall, nicht stecken geblieben. Haben wir beide noch nicht erlebt. Total geschafft bin ich. Gefühlt jeden Stein angeschaut. Puls permanent hoch und voller Adrenalin. Wir machen uns stärkende Nudeln und sind dann geplättet von der Schönheit der Landschaft und den ganz wenigen Lichtern, die man so in den Bergen sieht. Es wird eine kalte Nacht, die Standheizung bleibt aus, wir brauchen den Diesel für morgen (auch, wenn die Heizung wirklich sparsam ist). Wir stehen früh auf, frühstücken und fahren halb 8 los. Wir sind entspannter, aber ungewiss ist, wie geht es weiter. Die Blicke über die Berge sind atemberaubend. Gegen zwölf sind wir in Berat. Der unbefestigte Weg führte fast bis in die Stadt. Es ging oft bergab. Ich merke, dass offroad bergabfahren schwieriger ist, wenn man langsam fahren muss. Wir müssen einen Platten unbedingt vermeiden. Unser Ersatzrad ist richtig oll.

Automobiles Wandern – ungewollte Entschleunigung

Fazit: über vier Stunden bis Berat, macht ungefähr 6, 7 Kilometer pro Stunde. Es ist automobiles Wandern. In Berat ist die Freunde riesig und es fällt von uns beiden die Anspannung, dieses Brenzlige. Es reicht uns erst einmal. Wir wollen Weihnachten in Griechenland in der Sonne liegen, deshalb fassen wir unseren Aufenthalt in Albanien kurz. Erlebt haben wir eindrücklich so viel in kürzester Zeit. Und an dieser Stelle mal, der Bus ist die Wucht.

Also weiter. Nach Griechenland.















Los, eingestiegen, abgefahren. aber HALT. Teil es bitte noch

Leave a comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert