Wir. Sind. In.

 

Finnland.

Fährfahrt nach Finnland mit dem Bulli

Glauben können wir das gar nicht. Wie die Fähre sich da durch die Schären-Inseln manövriert, vorbei an Festungsanlagen von Helsinki, kleine Häuschen auf Inseln. Wie aus dem Katalog. Wenn wir nicht so wahnsinnig müde wären. Und das kam so.

In Polen trafen wir Markus und Ramona aus der CH. Ein Zufall -oder doch vorbestimmt- führte uns schon an den gleichen Stellplatz für die Nacht. Ein schöner See. Wir kamen von oben den Hügel hinunter. Lotte hatte eben noch im kleinen Lebensmittelladen nach Wasser gefragt und sogar die Wahl gehabt: kalt oder warm. Dann fahren wir besagten Hügel runter und freuen uns so sehr, als wir diesen Bus unten stehen sehen. M + R reisen nämlich auch im T3. Ihr Bus ist auffällig schön: Joker heißt die Ausführung mit Klappdach und Aufklebern auf der Seite. Wir freunden uns an, begegnen uns im Baltikum immer wieder, bis sich unsere Straßen in Estland trennen. Sie fahren an der Westküste hinauf nach Tallinn, wir im Osten über den Peipussee. Wir verpassen uns knapp in Tallinn und alle sind traurig. Am letzten Abend vor unserer Überfahrt hupt es plötzlich neben uns und….und? Sie stehen da. Extra zurückgefahren, um mit uns noch gebührend den Abschied zu feiern, bevor es wirklich, wirklich erst einmal kein Wiedersehen gibt. Sie werden das Baltikum wieder nach Süden durchfahren, die Ukraine bis Tschernobyl unsicher machen und dann auf irgendwelchen Wegen erst einmal in die Schweiz zurückkehren. 

Der letzte Abend in Estland – Kontrollen an der Fähre

Den Abend verbringen wir erst mit den Bierbeständen auf dem sonnigen Parkplatz und schauen uns dann noch mal die Stadt an. Und, ja, ein, zwei Kneipen. Es ist eine kurze Nacht. Am Morgen stehen wir unwillig auf und sind pünktlich halb sechs an der Fähre. Nix mit Check-In wie vorher beschrieben. Wir warten bis halb 8, dann werden die Autos schnell eingecheckt und verladen. Dafür kommt das Highlight für uns: hinter einer Kurve heißt es polizeiliche Alkoholkontrolle. Sehr freundliche Beamte fertigen die morgendlichen Passagiere der Reihe nach ab. Wir rollen ran, fragen noch, ob sie vielleicht unsere Ausweise sehen wollen. Nein. Ich hole tief Luft und puste….puuuuuu. Zugegeben, nicht ganz aus voller Lunge, ich weiß ja nicht, ob das Gerät für Posaunisten ausgelegt ist…nicht, dass da was kaputt geht. Der Beamte schaut verwundert, dann etwas belustigt und wünscht eine gute Überfahrt. Mein Puls hat die 180er-Marke geknackt. Nie wieder. Versprochen!

Ich muss wahrscheinlich nicht extra nun erwähnen, dass wir zu diesem Zeitpunkt nicht wirklich Nerven für Helsinki hatten? Und warum nicht? Einerseits die eben beschriebene Szene, andererseits verfolgten uns seit geraumer Zeit Rentner in ihrem Plastikcamper. Immer wieder versuchten sie mit uns Gespräche anzufangen. Sehr gern, aber diese liefen eigentlich immer im Monolog ab, wobei wir recht wenig sagten. Eben diese Kumpanen sahen wir in Estland nicht mehr. Dafür trafen Markus und Ramona sie und nun, in der Fährwarteschlange für Wohnmobile stehen wir an erster Stelle und genau hinter uns? Mit einem Hupen und wilden Winken durch die heruntergelassene Scheibe fahren sie in zweite Position. Nur ein sehr freundliches und spontanes Gespräch mit einem Radfahrer, der die Ostsee umrundet, rettet uns vor dem nächsten Monolog. Danke, Herr Radfahrer! Fest zugeparkt lassen wir den Bus im Bauch der Riesen Fähre und suchen uns auf Deck einen Schlafplatz. Ungünstig, dass wir irgendwie das Essen unten vergessen haben. Das preiswerteste Schlabber-Sandwich für Fünf Okken pro Stück (wir brauchten zwei), stillt unseren Heißhunger nur kurz, aber das Schreien aus dem Portemonnaie verhindert weitere Lustkäufe. Ist ja auch Wahnsinn. Wahnsinn ist aber auch, dass erwähnte Rentner uns irgendwie aufgespürt haben und nun ihren Platz hinter uns in der Sitzgruppe gefunden haben. Dafür haben wir nun echt keinen Nerv, übermüdet und hungrig und um zehn Euro ärmer für nüscht. Wir legen uns in einen wenig frequentierten Gang. Der ist dann auf einmal gar nicht mehr so wenig frequentiert und führt zum Crew-Abteil. Wir wechseln noch einmal, wieder an den Sandwiches vorbei, in irgend so eine Lounge, schieben uns jeder zwei Sessel zusammen und können uns in der verspiegelten Decke betrachten. Ein Gedanke an die Titanic keimt in mir auf. Immer unpassend bei Schiffsfahrten. Schlagermusik aus den Boxen weckt uns und wir schlendern auf Deck. Die Einfahrt nach Helsinki. Runter von der Fähre, an einer gelben Ampel die hinter uns herfahrenden Reitern abgehängt und raus aus Helsinki. An einen malerischen See mit Steg und Grillplatz und allem, was wir brauchen: Ruhe und Natur. Wie Rentner. Vielleicht wäre ein Wohnmobil auch was für uns? Nein. Nein. Nein. Niemals.

 

 

 

 

Los, eingestiegen, abgefahren. aber HALT. Teil es bitte noch

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