Wie stellst du dir Finnland vor?


Blaue dunkle Seen, Moor, Sumpf, tiefe
dunkle Fichtenwälder, leuchtende Birken, herrliche Straßen
schlängeln sich an Seen entlang mit unzähligen Inseln und meist
roten Holzhäusern. Finnland verwöhnte uns bisher mit so wunderbaren
Plätzen zum Übernachten, oft direkt am See mit Badesteg,
Einsamkeit, Sonne.

Lappland – finnisch Lappland

Doch es gibt da noch mehr – Lappland,
der raue Norden, die Tundra. Wo die Landschaft karger wird, die Bäume
in polaren Zwergformen wachsen, die Sonne im Sommer nie untergeht und
Rentiere leben. Das Land der Samen, einer uralten indigenen
Volksgruppe, welche sich im Norden von Norwegen, Schweden, Finnland
und auf der russischen Halbinsel Kola ansiedelten.

Einmal Rentiere sehen – hier klappt es 

Uns zieht es weiter, wir passieren
kleine Straßen, genießen über weite Teile die Ausblicke auf der
via Karelia und treffen nur noch selten auf Orte. Am Straßenrand
erblicken wir dann das Schild, welches Finnland in zwei geteilten
Regionen darstellt – südlicher und nördlicher Teil, wir befinden
uns nun im Rentierzuchtgebiet. Nun sind wir sehr aufmerksam und
hoffen auf baldiges Zusammentreffen mit diesen halbwilden Tieren.
Halbwild bedeutet, dass Rentiere immer einen Besitzer haben, meist
tragen sie Halsbänder und Ohrmarken, sie bewegen sich aber frei in
bestimmten Waldgebieten. In der wärmenden Abendsonne finden wir
einen Platz direkt am See, waschen Wäsche, planen unsere
Weiterreise.

Am Morgen höre ich wie etwas um den
Bus rennt, stehen bleibt, hüpft. Ich steige zu den Sitzen nach vorn
und ich kann es kaum fassen, durchs Fenster schaut mich direkt ein
Rentierjunges an, einige Meter entfernt steht seine Mutter und grast.
Ganz aufgeregt versuchen wir noch ein Foto zu machen und sind ganz
entzückt über das erste Aufeinandertreffen.

Karhunkierros – der Bärenpfad im Oulanka Nationalpark

Wir fahren weiter in Richtung
Nordosten. Durch den Oulanka Nationalpark, nahe der russischen
Grenze, entlang des Oulankajoki-Flusses mit seinen vielen Nebenarmen,
führt der Karhunkierros – Bärenpfad. Ein über 82 km langer
Wanderweg mit vielen Schutzhütten zum Übernachten, Feuerstellen,
Plätzen zum Zelten. Wir entscheiden uns für den sehr beliebten
kleinen Bärenpfad,der über 12 km geht. In der Gegend soll es neben
Elchen, Rentieren, Luchsen auch Braunbären geben. Herrlich wandert
man über weiche Waldwege, steigt über Wurzeln, über Hängebrücken
und bewegt sich so stets am Fluss entlang. Der Weg ist sehr gut
ausgebaut und markiert, man findet stets lauschige Orte zum rasten.
Der Fluss begleitet uns oft als reißender Strom, mit etlichen
Stromschnellen, Canyons und mündet mancherorts in ruhige Seen. Wer
sich traut kann sich im Wildwasserrafting probieren und den Fluss so
noch einmal hautnah kennenlernen. Am nächsten Morgen wandern wir
noch eine kleine Runde an den Canyons des Oulankajoki Flusses – der
Rundweg geht über sechs Kilometer und man hat wunderbare Ausblicke
über das Tal, die Wälder ringsum und den See.
 

 

 

 

 

 

Weiter geht es zum Inarisee, der
drittgrößte See Finnlands mit etwa 3000 Inseln, sodass sich vor
unseren Augen nie eine große zusammenhängende Wasserfläche zeigt.
Auf dem Weg passieren wir den Polarkreis, also befinden wir uns nun
stets oberhalb 66° nördlicher Breite. Wir fahren nach Ivalo,
entlang am See, kargen Felsen, moosbedeckten Böden und steigen
hinauf zu einem Aussichtspunkt mit guter Sicht. Es ist kalt, die
Sonne zeigt sich kaum, der Wind fegt über die Felsen. Wir fahren
weiter nach Inari. Immerwieder Rentiere am Straßenrand, kleine
Herden überqueren die Fahrbahn. Man gewöhnt sich an ihren Anblick,
das silberne Fell, die puscheligen Füße, die prächtigen Geweihe.

Wir fahren noch ein kleines Stück und
wandern los zu einer wilden Kirche. Wir sind gespannt, was das wohl
heißen mag und laufen durch lichten Wald gesäumt mit Findlingen an
kleinen Seen entlang. Die Sonne wärmt uns ein wenig und wir kommen
nach 5 km auf einer üppigen Blumenwiese an, auf welcher eine alte
Holzkirche steht, weit entfernt von allen Orten ringsum. Noch an
Ostern und Mittsommer feiern die Menschen hier Gottesdienst. Man
sieht Fotos, wie die Menschen damals mit Booten über den See kamen
oder auf Skiern im Winter. Ein bedeutender Ort für die Samen, um
zusammenzukommen. Wir spüren in diesem dünnbesiedelten Teil
Finnlands, wie sehr die Menschen hier im Einklang mit der Natur
leben, sie schützen, sie respektieren, dankbar sind für alles was
sie entnehmen und aber keinen Schaden ausüben. Ich fühle mich
verbunden mit diesen Gedanken und dieser kargen Naturlandschaft, die
auf den zweiten Blick soviel gibt und bereithält.

Auf dem Parkplatz entdecken wir dann
einen roten VW T3 – eine altes Feuerwehrfahrzeug. Wir hinterlassen
eine kleine Botschaft am Scheibenwischer und bekommen Nachricht von
Kevin. Wir treffen uns am Fluss, machen Lagerfeuer, erzählen, sitzen
zusammen und genießen russisches Bier. Wie gut es tut, mit anderen
Reisenden in Kontakt zu kommen, sich austauschen zu können und auch
andere Perspektiven kennenzulernen. Wir verabschieden uns am nächsten
Morgen, vielleicht kreuzen sich unsere Wege nocheinmal im Süden.

Wir verlassen Finnland durch das Tal
des Tenoflusses, der die Grenze zu Norwegen bildet, und erleben so
eine sich wandelnde Natur, bergig, reißende kleine Flüsse, blühende
Moose und Flechten, wenige Birken in kleinen Formen wachsen am
Wegesrand. In der Ferne schneebedeckte Berge. Wir halten an, atmen
frische kühle Luft, können noch nicht fassen, dass auch das
Finnland ist. Auch werden wir ein wenig wehmütig, dass wir uns nun
bald verabschieden. Sehr bald, denn unser Weg führt uns noch weiter
in den Norden.

 

 
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
 
 

 

 

Los, eingestiegen, abgefahren. aber HALT. Teil es bitte noch

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