Roadtrip Kroatien

Meer, Wellenrauschen, Olivenbäume, Weinberge, Weite, Berge, Klippen, Wald. So stellen wir es uns vor.

Einreise nach Kroatien

Wir sind überrascht. Auf einmal kommt die Grenze. Wo sind die Pässe, was brauchen wir? Ach komm, ist doch alles EU, wird schon. Nix ist. An der Grenze angekommen, übersehe ich erst einmal den ersten Grenzer und fahre etwas zu weit. Peinlich und irgendwie außerhalb des Prozederes. Er nimmts gelassen, wir werden weiter geschickt. Fünf Meter weiter wartet der kroatische Grenzer. Sitzt hinter Spiegelglas und nimmt die Pässe gleichgültig durchs kleine Fenster entgegen. Bis dahin nichts Ungewöhnliches. Irgendwie stehen da noch mehr Personen im Häuschen und er erklärt immerzu einem Hintermann, was er gerade tut. Es folgen Fragen: Wohin wollen Sie? Ähm, ja, wissen wir ja selbst noch gar nicht. Ich schaue kurz rüber zu Lotte. Wir sind beide überfragt. Mir fällt von gestern Abend ein Stadtname ein: Pula. Also: We want to go to Pula. Er: Wie lange? Ähm, scheiße, wissen wir doch nicht. Ich weiß es nicht, sage einfach eine Woche und schiebe noch nach: We like to go to Greece. Just transit. Damit habe ich nun die Wahrheit gesagt und fühle mich auf dem richtigen Weg. Dass wir mit unserem Bus aber bis nach Griechenland wollen, hält er für etwas optimistisch. Sagt jedenfalls sein Gesicht. Seine Ungläubigkeit unterstreicht er durch Themenwechsel: Alkohol, Zigaretten dabei? Ich: Nein. Sofort muss ich an den Karton voller Wein denken. Kein Plan, wie viel erlaubt ist, suchen dürfen sie jetzt nicht, sonst stehe ich dumm da. „Ach so, der Wein, ja, den haben wir mit“ wäre wohl wenig versöhnlich. Er lässt es mit ungläubigem Gesicht aber gelten, gibt uns unseren Schriftkram und wir dürfen nach Kroatien. Nun sind wir ungläubig, platt. Was war das denn? Wir hatten nicht damit gerechnet und nehmen uns nun vor, immer unsere ungefähre Route, den Zeitplan und unseren Lagerbestand zu kennen. Zumindest glaubwürdig zu antworten.

Dolce Bulli 

Drei Kurven weiter ist die Grenzerfahrung vergessen. Es empfängt uns der erste Blick aufs Mittelmeer, warme Luft, Zypressen und Olivenbäume. Ein bisschen der Ort unserer Träume, nachdem es in Slowenien zu kalt war. Kroatien begegnete uns als andere Welt. Zuvor bot sich Slowenien als so kaltes, winterliches alpines Land und dann plötzlich konnten wir uns nicht sattsehen an Olivenhainen, Zitronenbäumen und Weinbergen in Istrien. Morgens erwachten wir in eisiger Kälte an der Soca und herrlich klarer Sicht auf die Berge.

Wunderschöne Landschaft Istriens – Halbinsel Kroatiens

Und jetzt das:

Lange Teerstraßen zwischen niedrigen Steinmauern nehmen uns willig Richtung Istrien. Es ist die Halbinsel, auf der sich unser angekündigtes Ziel, Pula, befindet. Die kleinen Eichen haben rot-braunes Laub und es sieht ganz wunderbar aus. Bis nach Pula werden wir es erst Morgen schaffen. Einen Schlafplatz kennen wir noch nicht. Eine Empfehlung zeigt sich als verboten, auch die zweite. Überall zeigen Schilder, dass Kroatien während der Saison von Campern scheinbar geradezu überrannt wird und es nötig ist, diese Kultur auf die ausgeschilderten Campingplätze zu beschränken. Das haben wir sicher nicht vor. Campingplatz kommt für uns in Frage, wenn wir sonst keine Alternativen haben. Wir fahren in ein winziges Dorf oberhalb der Küste, abseits der Touri-Ströme. Die Sonne senkt sich. Es sieht einladend aus, aber kein Platz ist wirklich geeignet. Beim Aussteigen und Suchen zu Fuß, treffen wir einen Einheimischen, der ziemlich gut Deutsch kann. Er arbeitet in der Tourismusbranche, ist gerade da, um seine Schwiegermutter zu versorgen. Er tut es, da seine Frau es auch bei seiner Mutter tat, wie er sagt. Lotte und ich schauen uns etwas schräg, ob der pragmatischen Art des Mannes, an. Ob wir hier stehen können, frage ich. Nur eine Nacht. Er lacht. „Wo ihr wollt! Hier oder hier, oder auch gleich hier.“ Er zeigt mit ausladender Geste auf so ziemlich alle freien Flächen. Wir freuen uns, so freundlich empfangen zu werden.

Außerhalb der Saison – offseason

Auf uns wirken viele Orte menschenleer. Alles ist auf Tourismus ausgelegt und oft sehen wir Hotelhochburgen und Apartments leer. Schauderhaft. Andererseits ist es für uns wunderbar, nicht soviele Touris um uns, freie Parkplätze, Raum um uns alles anzusehen. Am 1. Dezember konnten wir das erste Türchen des Adventskalenders öffnen. Dazu gab es Kerzenlicht, das erste Räucherkerzchen und Müsli mit heißer Milch.

Wir fuhren an der Ostküste Istriens – an der Kaverner Bucht – mit Blick auf Kres entlang. Es soll eine, sich von schönen Blicken lohnende Straße sein. Wir sahen am Horizont hohe Berge, deren Gipfel von Schnee bedeckt waren. Wir fuhren durch den Ucka Nationalpark, stets auf der Suche nach einem uns geeignetem Platz zum Schlafen. Dort ist aber unter hoher Geldstrafe überall Campingverbot. Auf dem Weg kamen wir an einen kleinen Ort: Polmin, welcher zart und karg auf einer Anhöhe liegt. Nur leider wird die Sicht in die Bucht getrübt, eine riesige Fabrik belegt das Tal, den Hafen. Es ist laut und es stinkt. Schon nach dem 2. Weltkrieg verließen die Menschen den Ort, viele alte Steinhäuser stehen nun leer. In den kleinen verwinkelten Gängen ist es kühl. Wir wagten uns hinein und es lohnte sich wirklich. Am Abend standen wir am Rande eines Schotterweges, wir mussten steinige Feldwege entlang, durch tiefe Pfützen, durch einen kleinen Fluss. Dann standen wir dort.. im Dunkeln. Absolute Stille… bis auf einige Hunde, welche im Dorf bellten.

Ucka Nationalpark – da müsst ihr hin

Am 1. Advent standen wir früh morgens auf, wir erwachten mit wunderbarer Sicht auf Felder, steile Felswände, Hügel. Sanfter Nebeldunst stieg empor. Wir fuhren zur Pension Ucka im Nationalpark wo unsere Wanderung auf den Vojak (1401m) begann. Feucht und kalt war es, aber wir gingen schnurstracks los mit der Hoffnung, dass die Sonne viel Kraft aufbringt und es aufklart. Immer hoch hinauf über spitze rutschige Steine durch den Wald. Oben angekommen: übelste Suppe. Nichts zu sehen von Kaverner Bucht, Inseln und Meer. Stattdessen leider nur kalter Wind. Also fix einen heißen Tee , Fruchtschnitte und zurück. Wunderbar war es zu schwitzen, sich zu bewegen. An dieser Stelle fällt mir mal wieder die allgemeine hygienische Situation auf Reisen ein, so muss man sich gedulden bis zum nächsten Haare waschen.

Stellplatzsuche im Dunkeln mit Überraschung

Ich erinnere mich an eine besondere Nacht, in welcher wir mal wieder auf der Suche nach einem geeignetem Platz zum Schlafen waren und uns im langen Umherfahren verfranzten. So fuhren wir durch dunklen, dichten Wald eine Straße entlang über Bahngleise hinweg und immer weiter steil ins Gebirge. Plötzlich sprang ein großer Hirsch genau vor uns auf die Straße und querte. Ein riesiges elegantes Tier. So etwas hatten wir noch nie zuvor in freier Wildbahn gesehen.

 Zeit haben, heißt nachdenken 

Danach begann eine schwere Zeit für uns zusammen. Plötzlich ist da soviel Raum und Zeit sich mit seinem eigenen Innersten auseinanderzusetzen. Zu reflektieren was sich über Zeiträume angestaut und nicht bedacht wurde. Wege zu sich selbst zu finden und den anderen dabei zu haben. Zu teilen was ich gern teile und mir Freiraum für mich zu nehmen.

 Plitvicer Seen

Natürlich fuhren wir auch zu den Plitvicer Seen, viele tosende Wasserfälle, glasklare blaue Seen, herrlicher Sonnenschein bei eisiger Kälte. Mit Tee und Schokolade im Gepäck umwanderten wir, meist mit Sicht von den Klippen herab, die zwei ersten großen Seen.

 

Wir schlängelten uns weiter Richtung Süden, mit Hoffnung auf Wärme und Sonne. So sahen wir Sibenik und Split und landeten am Ende in Dubrovnik. Das Ziel, der letzte Punkt in Kroatien. Überall Weihnachtsrummel, Glitzer, Blingbling, Hot Dogs, Menschen, die Weihnachtseinkäufe erledigten. Über Dubrovnik, hoch über der Stadt mit Blick aufs Meer konnten wir die letzte Nacht verbringen.

 
 

 


 



 



 


 


 


 


 


 


 


 


 


 



 


 


 


 


 



 


 


 


 


 


 


 



 


 


 


 


 



 


 


 


 



 

Los, eingestiegen, abgefahren. aber HALT. Teil es bitte noch

Leave a comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert